Warum ich meiner großen Liebe demnächst untreu werde

Als ich aus meinem Stockholmer Sommer zurückkam, erhielt ich zur Begrüßung eine Nachricht von Car2go. Man habe den Service verbessert. Mein Wohngebiet wäre jetzt dummerweise nur leider nicht mehr drin im Geschäftsgebiet.
Finde den Fehler.

Da hat also irgendein Controlling-HanselSpezialist die Daten ausgewertet und pfiffig festgestellt, daß die Wagen in den äußeren Stadtteilen Düsseldorfs ein wenig länger stehen als auf der Kö. Wo man sowieso nur mit einem Porsche parken kann.

Nicht mehr drin zu sein, heißt für mich: jetzt bin ich komplett in der Bude festgetackert.
Einkaufen Essig.
Mir-brechen-die-Beine-weg-Fahrten von Arztterminen nach Hause Essig.
Bahn-fällt-zum-100.-mal-die-Woche-aus-Fahrten Essig.

Ja, ja, würde ein Car2go-HanselMitarbeiter jetzt sagen. Aber das Geschäftsgebiet fängt doch 400m weiter schon wieder an.
Freunde der Nacht: schon mal 400m weiter die Parkplatzsituation angeschaut?

Selbst mit dem Elefantenrollschuh von Car2go braucht man mindestens 700m, um ein Löchlein zu finden. Und dann soll ich die 500kg Obst und Gemüse nach Hause schleppen? Und mich? Wo ich ein Car2go doch immer genommen habe, wenn ich in der Stadt die paar Meter zu meiner Bahn nicht mehr geschafft hätte?

Macht enorm viel Sinn, das Geschäftsgebiet auf den Bereich zu beschränken, wo man alle 100m in Bus und Bahn einsteigen kann. Ich wette, es gibt Trillionen Menschen, die am Bilker Bahnhof ein Car2go starten (was mit den 26 Fragen, die man vorher am Bildschirm beantworten muß, schon vor Abfahrt 1€ kostet), sich neben der Straßenbahn durch den Stadtstau kämpfen, um dann am Wehrhahn gepflegt ein Stündchen nach einem Parkplatz zu suchen, während die 16. Straßenbahn an ihnen vorbeirauscht. Jou, das macht Sinn.

Copyright: Car2go. Da darf es auch bleiben

Zwei Wochen hockte ich hinter meinen schwedischen Gardinen und schmollte. Dabei reifte die Erkenntnis: ohne Auto geht es nicht mehr.
Ein herber Schlag für eine überzeugte Besitz-bindet-und-überhaupt-die-Umwelt-Aktivistin.

Das einzige Auto, das ich je besaß, war meine große Liebe. Mein Kumpel. Weniger zum Fahren. Zum Schrauben und Liebhaben. Ich hatte ihn 10 ganze Jahre lieb.Trotz aller Malessen. Einen Mann hatte ich noch nie 10 Jahre lieb. Auch ohne Malessen.

In meinem Liebesranking rangiert also auch californiaweißer Schwedenstahl unter den Top5:

Von meinem Volvo Amazon könnte ich Euch Geschichten erzählen! Vielleicht mache ich das auch noch. Zur Zeit bin ich aber vollends ausgelastet. Mit Autofinden. Davon kann ich Euch auch Geschichten erzählen. Hier fangen sie an.

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