Wenn man chronisch krank ist, benötigt man regelmäßig Unterstützung der Pharmaindustrie.
Ich bestelle mein Rezept telefonisch.
Gleiche Stadt, gleiche Adresse, gleiches Präparat.
Nix kommt.

Im schönen Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, marschierte ich mit vielen Träumen in meine Wunsch-Zukunft. Forschen. Schreiben. Frei sein. Kein Haus, keine Ehe, kein Kind. Lieber die Welt erkunden, vielleicht als Reisejournalistin.

Nach einem Magister in Geschichte und Germanistik startete ich voller Freude mit meinen Promotionsforschungen im Stadtarchiv von Stralsund. Die beste Zeit meines Lebens! Plötzlich wurde es für einen Moment ganz still: Dicker, fetter Hirntumor.

Noch fix zur Post: diverse Päckchen abgeben. Hoffentlich zum letzten Mal vor dem Umzug. Jede Minute zählt. Doppelt. Langsam dreifach.Ungeduldig schaue ich zu, wie die junge Auszubildende den ersten Karton auf das gelbe Quadrat legt, um die korrekten Maße zu prüfen.
Sieht doch ein Blinder, daß das paßt. Steht dick der Name meines Dealers drauf.

Tumor ist, wenn man trotzdem lacht. (Frau E.)

Ich hatte also FÜNF Monate auf meinen ersten Neurologentermin hier in Hamburg gewartet. Nach fünf Monaten und fünf Minuten erfuhr ich: Neurologe 1 fühlt sich nicht zuständig.
Weil ihm der Schrägstrich Psychiater fehlt, um mir die Medikamente zu verschreiben, die ich aus nicht-psychiatrischen Gründen benötige, aber dennoch von einem Psychiater verschrieben bekommen soll. Man muß nicht alles verstehen.

Es begab sich vor ein paar Tagen…
Sieben Uhr. Sieben Uhr kenne ich nicht. Aber sieben Uhr kennt mich. Zumindest heute. Sieben Uhr weiß, daß ich mein erstes Smartphone online bestellt habe. Weil ich es nach drei Wochen Dauererkältung vermutlich eh nie wieder schaffe, mehr außerhalb meiner Wohnung zu erreichen, als Arzt und Apotheke.

Plötzlich bleibst Du mit Deinem Wagen auf der Autobahn liegen. Pröt, pröt, macht der Motor. Dann ist er still. Der ADAC-Retter kommt, wirft einen kurzen Blick aufs Auto und schickt sich an, weg zu fahren. Ja, wollen Sie nicht vielleicht erst mal unter die Motorhaube schauen? Nö. Der sieht gut aus, der hat nix.

Gibt es nicht? Doch. JEDEN EINZELNEN TAG.

Immer, wenn das Einheitsgrau über der Stadt wabert – also rund 90% des Jahres – brandet meine Sehnsucht nach Stockholm auf.  Dann träume ich, wie es wäre, wenigstens einen einzigen Tag meines Lebens wieder gesund zu sein. Keine brüllenden Schmerzen. Keine 1000 Symptome. Dafür Energie.

Was täte ich an einem solchen Tag?

Aller Anfang ist schwer.
Das erste Buch aus dem Regal zu ziehen und für immer in andere Hände zu geben, fühlte sich an, wie mir selbst einen Arm zu amputieren.
Oh Herr, das arme Buch. Stand hier immer so unschuldig bei seinen lieben Freunden. Und ich Schuft, rupfe es heraus, als hätte es Böses verbrochen und gebe es in einen miefigen Laden.

„Ich bin kein Single mehr!“, flötet es aus dem Telefonhörer. Es ist Anja, 38, Senior Special Private Equity Merchandising Marketing Manager. Oder so.

Als ich in den Urlaub fuhr, war Anja noch Single.
Das war vor einer Woche.