Mit 6 Kriterien zum Wunsch-Kastenwagen

Vanlife, krank auf Reisen, MCS-Mobil, Kastenwagen, Wohmobil, MCS, ME/CFS, chronisch krank

Warum er und kein anderer? Diese Frage geistert einem ja immer durch den Kopf, wenn einem Freundinnen ihre neue Liebe vorstellen. Und so fragt Ihr Euch bei meiner neuen Liebe nun sicher auch: warum der?

Diese Punkte waren mir extrem wichtig bei meinem künftigen MCS-Mobil:

Punkt 1: Er riecht nicht nach Chemie

Vor allem nicht in der Fahrerkabine mit den 1000 Plastik- und Gummiteilen und Klebstoffen. Das war tatsächlich leicher, als gedacht: weder der 5 Jahre alte Ducato, den ich Probegefahren bin roch deutlich nach irgendwas im Fahrerraum, noch die Ivecos, die jeweils zwei Jahre alt waren.

Beim Sprinter weiß ich es nicht, da ausgrechnet vor der Probefahrt der Innenraum frisch bezogen und verklebt worden war. Wurde also eine sehr kurze Probefahrt mit dicker Atemschutzmaske.

Punkt 2: Ein Automatik-Getriebe

Meine Energie ist unfaßbar kostbar. Wenn ich die ganze Zeit die Muskeln im Bein betätigen muß, um zu kuppeln und der rechte Arm auch noch arbeitet, bin ich schon tot, bevor ich Hamburg verlassen habe.

Mit ME/CFS ist jeder einzelne Handgriff genauestens zu überlegen. Alles muß Sinn machen, es wert sein, dies zu tun. Schalten ist es nicht.

Punkt 3: Er hat den größtmöglichen Laderaum bei gleichzeitig kleinstmöglicher Außenlänge

Ich habe eine seltsame Schlafzimmerklaustrophobie. Kleine Räume machen mir generell nicht viel aus, aber sobald ich da schlafen soll, drehe ich durch. Vielleicht lag ich in zu vielen Krankenhäusern.

Dieses Gefühl, zu ersticken, nicht mehr raus zu kommen, gefangen zu sein, hat sich nach all den vielen, langen Zeiten in kleinen Krankenzimmern herausgebildet. Ist so. Kann ich gerade nicht ändern. Zudem verbringe ich ja – im Gegensatz zu gesunden Van-Fahrern – die meiste Zeit IM Fahrzeug. Da möchte man ja nicht in einer Sardinenbüchse liegen.

Die Hersteller-Kürzel zu Höhe und Länge für Einsteiger

Transporter werden von den Herstellern mit Kürzeln wie z.B. L2H3 oder L4H2 beschrieben. L ist die Längenklasse und H die Höhenklasse. Das heißt bei L2H3 nicht, daß er 2m lang und 3m hoch ist, sondern entspricht einfach einer ungefähren Länge. L2 ist so 5,40-5,50m und L3 meist um die 6m. Wobei Fiat Ducato z.B. kein L3 mehr angibt, sondern die 6m-Länge ist dann direkt L4.

Fiat Ducato, Peugeot Boxer und Citroen Jumper sind baugleich von den Maßen. Hier gibt es den mit Abstand größten und besten „Wohnraum“, was erklärt, warum man am Meisten von diesen Modellen als Ausbaubasis liest.

Ein Ducato/Boxer/Jumper in der Größe L2H2 hat bei einer Außenlänge von 5,41m innen 1,93m Hohe, 3,12 Bodenlänge und mit 1,87m die größte Innenbreite aller Transporter, die ich kenne.

Und das Tolle: die Wände verjüngen sich nicht nach oben, also hat man die 1,87m auch oben und kann mit geraden Wänden leichter ausbauen.

Perfekt wäre für mich L2, also noch für alle offiziellen Parklücken tauglich und H3, der sagenhafte 2,17m Innenhöhe hat.

Warum meine Wunschgröße fast nie zu kaufen ist?

Nun kommen wir aber zum Problem: es gibt an Transportern fast nur gebraucht, was Transportunternehmen oder Mietwagenfirmen, manchmal Handwerker im Einsatz hatten. H3 gibt es nur ganz selten mal auf dem Markt bei einem kurzen Transporter. Am Ehesten wohl den Ford Transit, der öfter in kurz und hoch zu finden ist. Ford hat aber den Ruf zu rosten wie Hulle und ist mit 1,78m auch extrem schmal innen.

Paketauslieferer parken eh immer in zweiter Reihe. Warum sollten die Konzerne sich ein kurzes Fahrzeug kaufen, wenn sie mit der langen Version viel mehr Pakete auf einmal transportieren können?

Das für mich schlechteste Außen-Innen-Längen-Verhältnis hat für mich der ebenfalls sehr beliebte Mercedes Sprinter. Bei einer Gesamtlänge von knapp 6m mißt der Laderaum nur 3,30m. Zum Vergleich: der Ducato hat bei derselben Länge 40 cm mehr. Der Daily immerhin noch 24cm mehr. Das macht enorm viel aus auf so winzigem Raum.

Zum Vergleich hier mal Bilder der drei Laderäume vom kurzen Ducato und den längeren Daily und Sprinter. Wobei Ihr Euch beim ersten Bild vom Ducato noch einige Zentimeter dazu denken müßt, da ich leider nicht von der Kante fotografiert hatte. Und beim Sprinter müßte Ihr den dunklen Bereich der Trittstufe wegdenken. 😉

Besonders gut sieht man die Unterschiede an der Form der Trennwand hinten.

Fiat Ducato, L2H2, Kastenwagen, Van, Wohnmbil, Vanlife, Kawa, Ducato Camper
Fiat Ducato L2H2, Gesamtlänge 5,40m, Laderaumlänge 3,12m, Laderaumbreite 1,87m

Iveco Daily, Kastenwagen, Vanlife, Wohnmobil, Van, Iveco Daiy Camper, Ausbau

Mercedes Srpinter, Kastenwagen, Vanlife, Wohnmobil, Sprinter Van, Ausbau
Mercedes Sprinter, Außenlänge 5,93m, Laderaumlänge 3,30m, Laderaumbreite 1,78m auf dem Boden, oben auch schmaler

Das Erste, was bei mir raus fliegt, ist natürlich die teure Innenverkleidung der Ladewände: Plastik  und Klebstoff pur.

Punkt 4: Ich kann damit noch in Städten einigermaßen parken

Einigermaßen parken kann man bis ca. 5,50m Außenlänge. Dann paßt man noch in die schrägen Parklücken hinein. Die fallen weg, sobald man die nächste Transporterstufe der 6m-Fahrzeuge nimmt. Dann kann man nur längst parken, wo zufällig zwei bis drei Parkplätze hintereinander frei sind.

Großstädter lachen jetzt herzlich auf. In Hamburg gewinnt man eher im Lotto, als so einen großen Parkplatz zu finden. Zumindest nicht da, wo der Wagen umgehend aufgebrochen wird. Ich fahre schon mit meinem kleinen Polo manchmal stundenlang in immer größeren Kreisen durchs Wohnviertel, um ihn irgendwo so gerade noch legal hinein zu quetschen.

Gut ist, wenn das Fahrzeug hinten viel Überhang hat, dann kann man den Po des Vans über den Bordstein in eine Wiese hinein hängen lassen. Der Daily hat so einen gut nutzbaren Überhang.

Punkt 5: Stehhöhe

Ich bin 1,83m groß, mit Schuhen oder Schluffen rund 1,87m. Schon in normalen Wohnungen habe ich das Gefühl, mir drückt die Decke auf den Kopf. So wohne ich am Liebsten wie jetzt in 2,60m Deckenhöhe oder gerne noch darüber. Ein Industrie-Loft wäre mein Traum!

Bei H2 ist man meist so bei 1,89m-1,93m, bei H3 zwischen 1,96m-2,17m. Ein Traum wäre natürlich ein L2H3.

Punkt 6: Geringstmögliche Gefahr, damit komplett liegenzubleiben und wenig ständige Pflege

Ich liebe Oldtimer. Mein Herz lodert auf, wenn ich alte Fahrzeuge sehe. So ein alter Transporter wäre ein Traum!

Aber bei Oldies muß man halt auch ständig pflegen, mal hier was, mal da. Hier wieder Kampf gegen Rost, da den Zündzeitpunkt neu einstellen. Und schon wieder leckt die Wasserpumpe. Ich habe das früher zehn Jahre an  meinem geliebten Volvo Amazon geschraubt, bis das durch die tägliche Migräne zu anstrengend wurde.

Die Gefahr, ganz liegenzubleiben sollte auch sehr gering sein, egal ob modernes oder altes Fahrzeug. Das wäre der Super-GAU: wo soll ich dann bitteschön hin? In ein Hotel kann ich nicht, wegen der Chemiegerüche. Unterkünfte müßte ich wochenlang vorher recherchieren oder persönlich probeschnuppern. Das geht schlecht am Straßenrand.

Abgesehen davon, daß ich komplett zusammenklappen würde, wenn ich außerplanmäßig plötzlich irgendwo an der Autobahn stehen und auf den ADAC warten müßte. Wer rettet mich dann? Niemand. Krankenwagen und Krankenhaus ginge ja auch nicht wegen der Gerüche.

Das Fahrzeug sollte also möglichst wenig Risiko bergen, daß Schäden entstehen, mit denen man nicht wenigstens noch bis zu irgendwas gurken kann, wo ich mich in Ruhe hinlegen und über eine Lösung nachdenken kann.

Klar, neue Autos haben viel mehr Elektronikprobleme, als Oldtimer. Ein eigentliches Minisoftwareproblem und schon steht man komplett.

Wenn ich mit meinem Oldtimer überhaupt mal liegenblieb – der Kupplungszug riß gerne mal – konnte ich immernoch so den ersten Gang rein würgen und langsam wohin rollen. Das geht bei modernen Fahrzeugen nicht.

Unterm Strich habe ich bei einem relativ neuen Transporter aber – hoffentlich – weniger Streß und mehr Bequemlichkeit.

Wie immer bei Frau E. begann alles mit einer großen Excel-Tabelle

Darauf hätten alle, die mich kennen, gewettet. Und: Jahaaa. Ich gebe es zu. 😉

Ich startete mit den Laderaummaßen, um meine Fahrzeugauswahl erst mal etwas zu reduzieren. Vor den Probefahrten und der Einarbeitung in die verschiedenen Getriebe stand für mich also als Favorit klar ein Ducato L2H2 fest.

Dann bemerkte ich, daß beim Ducato nur ein automatisiertes Schaltgetriebe verbaut ist und kein Wandlergetriebe oder Doppelkupplungsgetriebe wie es z.B. mein Polo hat.

Von dieser sogenannten Comfortmatic vom Fiat Ducato liest man so viele Dramen, daß ich mich wochenlang intensivst mit allen möglichen technischen Eventualitäten für einen Ausfall auseinander gesetzt und die Lösungswege recherchiert habe.

Jetzt könnte ich die typischen, oft eher banalen Ausfallgründe fast selber reparieren. 😉 Will ich aber nicht. Konnte nachts schon nicht mehr schlafen bei der Vorstellung, damit irgendwie Nirgendwo liegenzubleiben. Vor allem kann niemand ein Getriebe oder das eigentlich schuldige Drumherum mal eben irgendwo on Tour reparieren.

Besonders toll fährt sich die Comfortmatic für meinen Geschmack auch nicht. Gerade im ersten Gang, wenn man rangiert, hopst der Ducato wie ein angeschossener Osterhase. Vielleicht lag es auch an mir. Aber überhaupt gefiel mir die Übersetzung in unteren Gängen nicht so gut.

Fand einen Guten bei einem sehr vertrauenswürdigen Händler, dann loderte die Getriebepanik auf und ich entschied, auf meinen Bauch zu hören. So bin ich ganz kurz vor dem Kauf doch noch von meinem Favoritenfahrzeug zurückgeschreckt.

Alles nochmal zurück auf Null wegen der Getriebetypen

Gott, war das nervig und frustrierend! Wieder bei Null. Wochenlang für dieses Modell aufgerieben. Fast wie Online-Dating. Und ich wollte doch soooo gerne endlich raus an die Luft. Mein Bett auf Rädern. Immer wieder zum Greifen nah und dann doch nicht.

Also wieder aufgerafft und alle Excel-Tabellen nochmal neu durchforstet.

Weiter ging es mit einer Neubewertung der Modelle mit Wandlerautomatik

Volkswagen Crafter, Iveco Daily und Mercedes Sprinter. Hieß auch: Budget einen guten Schritt erhöhen. Aber ich suche ja auch etwas auf Dauer, wenn ich das schon MCS-freundlich ausbaue.

Bei meinem gewünschten Kilometerstand von maximal 100.000 war der Crafter deutlich zu teuer. Also auf zu Iveco und was soll ich sagen?

Der Iveco Daily HiMatic war Liebe auf den ersten Gasfuß!

Die 8-Gang-Hi-Matic fährt wie Butter, beschleunigt traumhaft. Keine Schubkraftunterbrechung. Und 156 PS sind eine wahre Freude! Zumindest für mich.

Weniger für den Verkäufer, der unbedingt mit fahren wollte und dessen Angstschweiß in den ersten Minuten zu mir rüber waberte. Als er merkte, daß ich das Ding im Griff habe und mich auch auf der Überholspur der Autobahn noch locker unterhalte, entspannte er sich aber schnell und wir hatten eine nette Unterhaltung.

Für dieses Fahrgefühl war ich sogar bereit, den Längen-Tod zu sterben und auf 6m zu erhöhen! Denn die Dailys sind fast immer Leasing-Rückläufer und da sind 6m schon die kürzeste Variante.

Leider war dieses Fahrzeug schon an jemand anderen verkauft und lag sowieso viel zu weit über dem bereits erhöhten Budget. Ich mußte also genau dasselbe nochmal woanders finden. Und günstiger!

Die Suche ging also weiter. Die meisten Dailys stehen leider viel zu weit von mir weg, also bin ich zur Sicherheit, daß ich nicht ein doch gutes Modell auslasse, auch noch den Sprinter probegefahren.

Probefahrt mit dem Sprinter: klares Nö.

Ganz ehrlich? Ne. Nix für mich. Ich weiß, viele lieben ihn abgöttisch. Und in den USA gibt es kaum einen Vanlifer ohne Sprinter.

Das luxuriöse Gefährt ist sehr gut gefedert. So gut, daß er in alle Himmeslrichtungen schaukelte. Für jemanden, der sich schon auf einem Bootssteg fast übergibt, war das wie eine Atlantiküberquerung. Und ich kaufe ja nicht ein sehr teures Fahrzeug, um dann direkt die ganzen Federungen austauschen zu lassen.

Ja, das soll etwas nachlassen, wenn er innen ausgebaut ist und Gewicht zu tragen hat. Aber was, wenn nicht? Oder nicht genug?

Klar, der Iveco ist sehr „sportlich“ gefedert. „Freut“ sich die Bandscheibe. Dafür liegt man besser auf der Straße. Ich mag’s halt lieber etwas härter. 😉

Es blieb also beim Daily. Nur woher nehmen?

Ich glaube, es gab in den letzten 8 Monaten keine einzige wache Stunde, in der ich nicht Mails mit Anzeigen von den üblichen Portalen durchgeschaut habe. Morgens, mittags, abends, nachts. 500x die Parameter geändert.

Es gab Tage, da dachte ich: wenn ich noch EINE Autoanzeige lese, lande ich in der Klapse.

Bis meiner kam. Bei einem Iveco Händler in Lübeck. Also aus Hamburg Nord sogar für mich Wrack gut erreichbar.

Wieder gedopt bis zum Anschlag und los ging’s. Ich habe mich bei der Firma gut aufgehoben gefühlt. Keine Zweifel an meiner Kompetenz als Frau, keine technischen Belehrungen, Gespräche auf Augenhöhe.

Da ich mich nicht nochmal dermaßen dopen konnte nach all dem, was schon hinter mir lag, mußte ich alles an dem Tag durchziehen. Hinfahrt, Probefahrt, direkt weiter zum TÜV Gebrauchtwagencheck, zurück zum Händler, Preisverhandlung. Danach war ich zwei Wochen tot. Aber…:

Iveco Daily, Van, Camper, Wohnmobil, Kastenwagen, Ausbau, Vanlife, Frau E. notiert, MCS-Mobil

Und wie das alles danach weiterging, erfahrt Ihr beim nächsten Mal 🙂