Wie ein Zahn-Provisorium meine Psyche in den Abgrund zog

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Was ist denn mit Dir los?! Du lachst!
Frau E., so habe ich Sie ja ewig nicht erlebt. Was ist passiert?
Hej, Du klingst so relaxt.

Diese Sätze habe ich in den letzten Wochen in 25 Varianten gehört. Und da war klar: was ich direkt bemerkt hatte und nicht glauben wollte, ist doch wahr. Und das ist unglaublich. Unglaublich schön. Und unglaublich doof zugleich.
Aber jetzt mal ganz von vorne.

Ihr erinnert Euch ja sicherlich, wie fit – also mein fit 😉 – ich am Ende der Bioresonanztherapie war. Endlich mal wieder stundenweise klarer im Kopf! Und daß ich plötzlich statt vier Treppenstufen ganze acht auf einmal schaffte. Und daß ich mein Essen seitdem meistens wieder im Sitzen essen kann. Das war Ende September 2018.

Dann zerbaß ich mir direkt am Tag nach Ende der Behandlung mit einer nagelneuen Krone eine Uralte im Unterkiefer. Böse war ich der nicht, denn die hatte rund 16 Jahre treulich ihren Dienst getan. Doof war es dennoch, denn das stellte mich vor ein schier unlösbares Problem: Was um Himmels Willen sollte nun darauf? Für MCS-Patienten ein Horrorthema.

Ich bekam als Notfall erst mal ein Provisorium aus Saremco-Kunststoff (ELS-Linie), der ja der Verträglichste unter den Kunststoffen sein soll. Subjektiv schien ich den auch zu vertragen. Die üblichen Reaktionen blieben aus. Habe mich ziemlich gefreut.

Zahnversorgung mit MCS und MCAS: ein riesiges Problem

Und langfristig? Mein erster Impuls war: klar, sofort auch Zirkondioxid, denn das hatte ich ja im Oberkiefer auch super vertragen. Dann meinte mein Zahnarzt, das mache er nur, wenn ich dann eine Plastik-Beißschiene trage.

Denn Zirkon ist irre hart und ein nächtlicher Beißer wie ich beißt sich dann mit oben und unten Zirkon die schönen Kronen splitterig. Und muß durch die beidseitige Härte noch mehr Probleme mit seiner CMD (Craniomandibulärer Dysfunktion) erleben. Das klingt alles extrem plausibel. Doch eine Plastik-Beißschiene ist so ungefähr das Letzte, was ich mir mit meiner MCS in den Mund hauen will.

Alternative Gold? Ist Metall. Metall möchte ich eigentlich auch nicht im Mund.
Alternative Stahl? Dasselbe wie Gold.
Wir standen vor einem unlösbaren Problem. Genauer: ich.

Als MCS-Patient ist man frustrierend für einen Arzt. Niemand kann was komplett Problemfreies aus dem Hut zaubern. Da richtet sich das Kompliziertsein schnell gegen den Patienten und nicht gegen seine Krankheit.

Die Idee, aus Saremco ein Langzeitprovisorium anzufertigen, fand ich gut. So richtig behagte mir die Vorstellung von Kunststoff im Mund dann aber doch nicht und ich „wollte“ erst mal weiter recherchieren.

Und plötzlich rauscht die Psyche in unendliche Tiefen

Dann wurde ich depressiver und depressiver. Erst schob ich es auf den November. Dann auf meine Wohnsituation. Dann auf das angefahrene Auto. Dann auf viele weitere ähnlich unerquickliche Erlebnisse. Es hagelt ja seit Monaten Bratpfannen auf mich.

Dann schob ich es auf Weihnachten. Dann auf Silvester. Dann darauf, daß meine Depressionen im Januar immer ihren Tiefpunkt erreichen. Ich habe mich von fast jedem Freund im Januar getrennt. Wer den bei mir überlebt, hat Steherqualitäten.

In all der Zeit dachte ich bisweilen, daß es meinem Gemüt sicher nicht zuträglich ist, dieses verdammte Kunststoff-Provisorium im Mund zu haben. Vor allem, da ich mal mit dem Kunststoff Luxatemp eine vierwöchige Hardcore-ME/CFS-Phase erlebt hatte, in der ich nur noch atmen konnte, mehr nicht.

Auf allen Vieren mußte ich zum WC robben und ernährte mich die ganze Zeit von Haferflocken, die ich mit Wasser übergoß. Zu mehr war ich nicht fähig. Das änderte sich schlagartig, als das Provisorium entfernt wurde.

Doch mir fiel ums Verrecken keine Lösung für das Material-Dilemma für die neue Krone ein. Schon gar nicht in dem hochdepressiven, zu Tode erschöpften Zustand. Für eine Kronen-Präparation benötige ich ein Minimum an Leben in mir. Und davon war nichts mehr da. Auch kein Lebenswille. Nix. Ich war so runter wie Jahre nicht. Und das muß bei mir echt was heißen.

Daß ich den Beginn des psychischen Absturzes rückwirkend immer klarer dem September 2018 zuordnen konnte, führte dazu, daß ich jetzt nur noch dieses Provisorium entfernt haben wollte, egal, ob ich dabei zur Not den kompletten Zahn verliere. Vor knapp drei Wochen ließ ich die Krone bei einem anderen Zahnarzt erstellen, wo man bereit war, sie erst mal ohne Beißschiene zu versuchen.

Und jetzt haltet Euch fest: in dem Moment, als der eine Kunststoff entfernt und nach der Präparation durch einen wieder anderen Kunststoff ersetzt worden war, entspannte sich mein komplettes System. Noch im Zahnarztstuhl!

Obwohl ich mitten in einer anstrengenden Präparation war. Und auch die eine Woche mit dem anderen Kunststoff (Pontiform) erlebte ich als befreit. Irgendwie anders. So richtig greifen konnte ich das nicht. Mein hochanalytisches Sachthema-Gehirn mag so was ja erst mal nie glauben.

Es war so ähnlich wie im Gutshaus Stellshagen, wenn ich vom Holzzimmer ins Wollteppich-Zimmer trat: alle sowieso scheinbar ruhigen Nerven beruhigten sich noch einen Tacken mehr.

Natürlich ist es nicht optimal mit Zirkon-Keramik auf Zirkon-Keramik zu beißen. Das merke ich schon deutlich. Aber einen Tod müssen wir Patienten mit MCAS und MCS eben immer sterben. Und ich hoffe von Herzen, daß sich das auch noch einrenkt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Tollste aber ist, daß meine Laune sich seitdem locker um 50% verbessert hat. Und das, obwohl sich keines der ganzen fundamentalen Probleme meines aktuellen Lebens auch nur annähernd gelöst hat. Im Gegenteil. Es muß also das Material gewesen sein. Ich bin erst mal wieder aus der Todeszone hinaus, tüftele an meinen Wohnlebenslösungen und schaue nach vorne.

Wobei ich ganz deutlich sagen möchte: DAS Material gibt es für niemanden! Ich denke nach wie vor, daß Saremco eine sehr gute Alternative für viele andere Kunststoffe ist. Vor allem, weil man dort gerade ein noch chemieärmeres Material entwickelt hat. Es gibt sicher auch Tausende Patienten, die Luxatemp gut vertragen und wieder andere, die keine Sorte Zirkondioxid im Mund haben können. Die Reaktionen unseres Systems sind hochindividuell!

Warum ich Euch das alles erzähle? Weil ich jedem – egal ob MCS-Patient oder scheinbar kerngesund – ans Herz legen möchte, die Wahl seiner Zahnmaterialien sehr ernst zu nehmen.

Egal, was es ist: Ihr beißt dort jeden Tag Hunderttausende Mal drauf, durch Abrasion verteilt sich etwas im Körper. Säuren im Essen lösen auch Partikel daraus, die dann durch die Mundschleimhaut in Euer System aufgenommen wird. Das kann die Mundschleimhaut ganz wunderbar. Nicht umsonst müßt Ihr ja viele Medikamente unter die Zunge legen.

Metalle können Kriechströme verursachen und wurzelbehandelte Zähne Leichengifte produzieren, die Eure Immunsystem angreifen. Und dann wären da noch Osteolysen im Kieferknochen, sogenannten NICOs, ein ganz eigenes Thema.

Ich glaube, es gibt – neben dem Darm – wenige Stellen im Körper, die gleichzeitig so unfaßbar viel in Euch ruinieren können, aber auch so sehr von uns Menschen unterschätzt werden.

Gerade, wenn es sich um diffuse Symptome handelt, die von die Schulmedizin nicht mal eben nach Schema F mit einem Diagnoseschlüssel versehen werden können.
Deshalb erzähle ich Euch das alles. 🙂

 

 


Haftungsausschluß: Ich bin Patientin und keine Ärztin, Apothekerin oder sonstiges medizinisches Fachpersonal. Was ich hier schreibe, ist meine persönliche Erfahrung aus über 20 Jahren chronischer Krankheit und der Beschäftigung als Nicht-Medizinerin mit meinen diversen Krankheitsbildern. Mein Ziel ist es, durch möglichst einfache Erklärungen komplexe Sachverhalte zu beschreiben und so auf mögliche Krankheitsursachen hinzuweisen.
Ich versuche, Erklärungen zu medizinischen Sachverhalten so gut wie möglich zu recherchieren, kann hier aber medizinische Diagnose(n), Beratung und Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen. Da sich Forschung ständig weiterentwickelt und ich hier sowieso nur eine Einführung ins Thema bieten möchte, empfehle ich, sich selber weiter in die Themen hinein zu lesen.
Meine Texte dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer einen Arzt Deines Vertrauens. Sofern Du dort jemals einen Termin erhälst. 😉