Auto-Erotik: Felgen, Farben & Co.

Warum nimmst Du nicht einen Reimport. fragt Freundin S, während wir in ihrem Auto zu einer Besichtigung düsen. Die sind doch billiger?
Klar, sind die billiger. Aber nicht unterm Strich.
Welchem Strich?

Reimporte haben meist nur Stahlfelgen. Dann kommen ja nochmal mindestens 500€ für Leichtmetallfelgen auf den Preis drauf.
Kannst Du nicht mit denen fahren, die da schon drauf sind?
Und so was von jemandem, der sich gerade einen Thermomix gekauft hat.

Klar, kann ich mit denen fahren, die da drauf sind. Ich kann auch noch so Plastik-Toupets da drüber hauen. Damit es richtig elendig wird.
Mir kommen immer die Tränen, wenn ich so was sehe:

Wir stieren beide aus dem Fenster.

Ich weiß nicht mal, was wir für Felgen haben, sagt S.
Ich weiß nicht mal, welche Haarfarbe meine Kinder haben.
Klingt für mich identisch.
Ich beginne, eine Geschlechtsumwandlung in Erwägung zu ziehen.

Für mich machen Felgen die Optik erst rund. Man stellt sich doch auch kein Dixie-Klo vor seine Villa. Felgen sind die Augen des Autos. Wer schminkt sich in 45 Schichten und läßt dann die Augen nackig?

Leichtmetallfelgen mit 5 Speichen bringen mich zum Seufzen.
Und der Blick auf polierte Scheibenbremsen erst. Der ist richtig… hm.. wie sage ich es am Besten.. ach, nun gut, wir sind ja unter uns: Also der ist richtig geil. Yes!

Hauptsache, er fährt, sagt meine Freundin.
Ist klar, Hauptsache, er atmet.

Von all meinen so unterschiedlichen Freundinnen, mit denen ich während meiner Autosuche rede, verstehen mich in diesem Punkt genau: 0%.

Auch noch überlebensnotwendig: das schöne Pepper Grey

Und es kommt noch schlimmer. Kaum habe ich sie überzeugt, daß die Felgen alternativlos meinem Geschmack entsprechen müssen, damit ich nicht bei jedem Herantreten an mein Auto in Design-Brechdurchfall verfalle, naht die nächste Argumentationswelle: Muß es denn unbedingt Pepper Grey sein?

Fragen Frauen, die sich ein Jahr lang mit dem Eierschale-Ecru-Champagnerton ihrer Hochzeitseinladungskarten auseinandergesetzt haben. Und die sieht man genau einen Tag. Die Farbe meines Autos sehe ich viele Jahre.

Menschen, die mich lange kennen wissen: zwischen mir und meiner Umgebung bestehen kaum Grenzen. Meine Seele inhaliert die Ästhetik der Dinge, die mich umgeben. Und dabei kommt es nicht auf den Preis oder eine Marke an. Wenn ich etwas Schönes ansehe, geht es mir gut. Wenn ich etwas unattraktiv finde, leide ich so lange, bis ich dies nicht mehr sehe. Das ist bisweilen nervtötend. Vor allem für mich selbst. Und kostet manchmal viel Geld – nach dem Motto: lieber 2 Nächte im Design-Hotel, als 10 in Eiche-Furnier mit blauem Teppich und gelber Wandfarbe. Womit wir wieder bei Farben wären.

Pepper Grey ist einfach wunderschön. Ein warmes Grau-Metallic, leicht braun schimmernd. Polos in dem Farbton könnte ich stundenlang anschauen.

Viele Ausstellungs-Polos sind zur Zeit uranograu. Urnengrau sollte das wohl ursprünglich heißen. Die Farbe kann sich echt nur ein Bestatter-Sproß ausgedacht haben. Ein an Kühle kaum zu unterbietendes Anthrazit. Das schafft nicht mal ein November in Schweden.

Überhaupt finde ich das klassisch-bläuliche Anthrazit zwar objektiv chic, aber nur, wenn Männer es fahren. Emotional stößt es mich etwas ab. Pepper Grey ist sozusagen mein Äquivalent zum Prinzessin Lillifee-Terror-Pink.

Daß mir meine überbordende Liebe zu diesem warmen Pepper Grey am Ende noch das Herz brechen wird, ahnte ich glücklicherweise noch nicht, als ich letzten November diesen Text schrieb.
Überhaupt ahnte ich noch nicht, was mir noch bevorstehen würde. Aber dazu ein anderes Mal.

Zum Abschluß lieber noch zwei Highlights aus einem Felgen-Fan-Leben:

Modell der 50%-Geizhals: Sparen am falschen Ende
Modell: Der Unentschlossene