Mit diesem Beispiel kannst Du Gesunden die zusätzlichen Anstrengungen durch Deine MCS-Erkrankung erklären

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Menschen, die an Multipler Chemikaliensensibilität (MCS) leiden müssen für jede kleine Aktion ein Zigfaches an Aufwand betreiben im Vergleich zu Gesunden. Allein deshalb grenzt die Frage „Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag“ schon an ein gutes Argument für einen gepflegten Mord.

Das erkläre ich jetzt an einem aktuellen Beispiel aus meinem Leben: ich habe immer einen Koffer mit Haushaltsgegenständen in Stockholm gelagert und dieser mußte nun gegen ein neues Modell getauscht werden.

MCS-Betroffene zucken bei dem Wort „neu“ wahrscheinlich gerade genauso zusammen wie ich.

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Ausgangslage: Alles online recherchiert und zwei Koffer sind in der finalen Auswahl.

Ein Mensch ohne MCS kann jeden Kauf in wenigen Minuten erledigen

  • Geht ins Geschäft oder bestellt einen oder zwei online.

Fertig.

Mit MCS-Erkrankung wird jeder Erwerb zu einem Himmelfahrtskommando

  • Koffer mindestens 2-4 Wochen vor dem Gebrauch kaufen, damit er auf dem Balkon ausdünsten kann.
  • Im Laden schon fast umkippen wegen der vielen Neuproduktgerüche.
  • Die zwei vorher sorgfältig recherchierten Modelle fix raussuchen.
  • Öffnen und Kopf rein. Nicht beeindrucken lassen von den Blicken anderer Kunden. Ja, ich knie und stecke mit dem Kopf im Koffer. Nein, ich brauche keine Hilfe.
  • Vorsichtigen Atemzug nehmen. Fast umkippen.
  • Vorsichtiger Atemzug in Koffer 2. Dasselbe Resultat.
  • Feststellen, daß beide nach Chemie stinken, also weitere Recherche notwendig ist.
  • Gestank eingrenzen: was genau stinkt an den Koffern? Könnte man diese Teile entfernen? Oder besteht Hoffnung, daß sie ausdünsten?
  • Mental schon mal auf 3 Tage Horrormigräne und Fatigue nach der Aktion einrichten.
  • Die Sache dennoch durchziehen.
  • Für den Koffer entscheiden, bei dem „nur“ das Innenfutter stinkt wie die Pest. Ist natürlich der teurere.
  • Riesen-Trumm nach Hause schlörren.
  • Koffer 5 Tage offen in der prallen Sonne schmoren lassen, damit das Plastik mehr aushärtet.
  • Lüftung im Bad für einige Stunden abkleben, um einen Clean Room als Testumgebung zu erhalten.
  • Koffer ins Bad legen für einige Stunden.
  • Koffer besteht nicht. Wieder Migräne von den Ausdünstungen.
  • Koffer zurück auf den Balkon verfrachten und nachdenken.
  • Ensomesser zücken und das schöne Futter des nagelneuen Koffers auf einer Seite komplett raustrennen.
  • Feststellen, daß die zweite Seite das Futter braucht wegen des höhenverstellbaren Griffs.
  • Fluchen!
  • Mit Atemschutzmaske, Messer und Fingernägeln die Schaumgummibeschichtung abpulen. (Arbeit für Leute, die Vater und Mutter erschlagen haben.)
  • Weiter fluchen.
  • Tageweise pulen und fluchen.
  • Koffer noch weiter in der Sonne ausbrennen lassern und regelmässig abwaschen, um den chemischen Niederschlag zu entfernen.
  • Hoffen, daß es bis zur Abreise gut ist mit den restlichen Dämpfen.

Preis neben der ganzen Arbeit: rund drei Tage massivst schlimmere Fatigue und übelste Gesichtsnervenschmerzen von den Gerüchen.

Ergebnis des Vergleichs: ein Umstand für Gesunde, über 20 Überlegungen und Tätigkeiten für MCS-Patienten.

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Und so verhält es sich mit allem, was erworben, gereinigt, gewaschen, besucht, gefahren etc. wird. Selten geht es gut aus. Oft muß man das „verunstaltete“ Objekt am Ende dennoch verschenken und verliert viel Geld, Zeit und Energie, ohne eine Lösung für die Angelegenheit gefunden zu haben.

MCS bedeutet locker 20x mehr Umstände mit Alltagsdingen bei zusätzlich oft rund 90% weniger Ausgangsenergie!

Multiple Chemikaliensensibilität (MCS) tritt oft parallel oder als Folge von Erkrankungen wie ME/CFS oder dem Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) auf.  Betroffene habe dadurch eigentlich nicht einmal die Kraft für die simplen Handlungsvarianten Gesunder.

Das sollte jeder mal gründlich bedenken, bevor er uns fragt, was wir denn eigentlich den ganzen Tag so treiben, wenn wir nicht mehr arbeiten.

Wir kämpfen. Um Dinge, die Gesunde im Traum nicht ahnen.

Interessanterweise wächst man aber hinein in dieses Leben. Ich erwarte schon lange nicht mehr, daß ich irgendetwas erledigen kann, ohne diese zusätzlichen Workarounds.

Das läßt mich nicht mehr verzweifeln, es ist Teil meines Lebens. Und wenn ich es am Ende mal wieder geschafft habe, wie jetzt mit dem Koffer, freue ich mich wahnsinnig.

Ja, es ist unfaßbar schwierig, mit MCS am Alltag teilzunehmen!

Wenn Du aber parallel alles abwirfst, womit sich Gesunde den Tag verhageln, dann bist Du am Ende auf plusminus Null. Und darauf kannst Du dann sehr stolz sein!